Mittelhessen: Polizeipräsidium Mittelhessen startet Pilotprojekt „Demokratiepaten – Polizeischutz für die Demokratie“

Giessen (ots) –

Das Polizeipräsidium Mittelhessen startet mit Beginn dieses Jahres ein neues Pilotprojekt zur Stärkung demokratischer Werte innerhalb der hessischen Polizei: die Fortbildung und den Einsatz sogenannter Demokratiepatinnen und -paten. Ziel des Projekts ist es, demokratische Haltung, historische Verantwortung und gesellschaftliche Dialogfähigkeit im polizeilichen Alltag gezielt zu fördern.

Das Konzept „Demokratiepaten – Polizeischutz für die Demokratie“ wurde ursprünglich in Niedersachsen entwickelt und dort in enger Zusammenarbeit zwischen der Polizeiakademie Niedersachsen und dem bundesweit tätigen Verein „Gegen Vergessen. Für Demokratie e.V.“ erfolgreich umgesetzt. Der Verein setzt sich seit Jahrzehnten für die Aufarbeitung der nationalsozialistischen und der SED-Diktatur sowie für die Stärkung demokratischer Werte in der Gegenwart ein. Zu seinen prägenden Persönlichkeiten zählen unter anderem der frühere Bundespräsident Joachim Gauck.

Nun wird anhand des Pilotprojektes dieser Ansatz erstmals in Hessen erprobt. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor dabei ist die enge behördenübergreifende und zivilgesellschaftliche Zusammenarbeit. Die Fortbildung der Beamtinnen und Beamten wird behördenübergreifend in Kooperation mit der Polizeiakademie Niedersachsen sowie dem Verein „Gegen Vergessen. Für Demokratie e.V.“ durchgeführt, der seine fachliche Expertise aus der Demokratiebildung und der historisch-politischen Aufarbeitung einbringt.

Im Polizeipräsidium Mittelhessen wurden dazu zunächst fünf Polizeivollzugsbeamtinnen und -beamte ausgewählt, die die erste Fortbildungsrunde komplett durchlaufen haben. In der modularen Fortbildung setzen sich die Teilnehmenden intensiv mit ihrem demokratischen Selbstverständnis, historisch-politischer Bildung, dem Umgang mit populistischen und demokratiefeindlichen Tendenzen sowie mit Projekt- und Netzwerkarbeit auseinander. Perspektivisch könnten hessenweit weitere Demokratiepatinnen und -paten qualifiziert werden.

Die ausgebildeten Demokratiepatinnen und -paten wirken künftig als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren innerhalb der Behörde. Sie entwickeln eigenständig Projekte und Veranstaltungsformate, die demokratische Kompetenzen stärken, den offenen Austausch fördern und Themen wie Werteorientierung, Diversität, kulturelle Vielfalt sowie den professionellen Umgang mit Diskriminierung und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit in den Fokus rücken. Dabei geht es nicht nur um den Blick in die Geschichte, sondern ausdrücklich auch um aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen und die Rolle der Polizei in einer pluralistischen Demokratie.

Polizeipräsident Torsten Krückemeier unterstreicht die Bedeutung des Pilotprojekts: „Der Schutz und die Verteidigung des Grundgesetzes sind der Kernauftrag unserer Polizei. In einer Zeit zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung ist es mir ein Herzensanliegen, diesen Auftrag sichtbar zu stärken. Demokratiepatinnen und -paten helfen uns als Polizei dabei, Haltung zu zeigen, Verantwortung zu reflektieren und den Dialog zu fördern – mit den Bürgerinnen und Bürgern ebenso wie innerhalb unserer eigenen Reihen.“

Innenminister Roman Poseck bekräftigt das Vorhaben und führt hierzu aus: „Unsere Demokratie wird von den extremen Kräften unter Druck gesetzt. Sie ist keine Selbstverständlichkeit, sondern sie muss täglich geschützt, gelebt und weitergegeben werden. Daher ist die Demokratiebildung ein zentraler Baustein unserer Gesellschaft und auch für Polizei von besonderer Bedeutung. Ich unterstütze daher das Pilotprojekt der Demokratiepaten im Polizeipräsidium Mittelhessen. Demokratieprojekte und Veranstaltungsformate wie historisch-politische Bildungsreisen – etwa zu Gedenkstätten, in den Bundes- und Landtag oder zu Synagogen – ebenso wie Workshops unter anderem zur Aufarbeitung der NS- und der SED-Diktatur sowie deren staatliche Institutionen oder aber Gesprächsformate mit Zeitzeugen schaffen Wissen, Empathie und Verantwortung. Sie sind der richtige Weg, um sich fundiert mit unserer Geschichte und unseren Werten auseinanderzusetzen. Demokratiefeinde dürfen in Hessen keinen Nährboden finden; dem begegnen wir mit Aufklärung, Engagement und einem verlässlichen Schutz der Demokratie.“

Das Pilotprojekt sieht er dabei als einen weiteren Baustein der polizeilichen Demokratiearbeit neben der im September 2025 eingegangenen „Allianz für Demokratie“ mit der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Gemeinsam werden die gleichen übergeordneten Ziele verfolgt: die Stärkung demokratischer Werte, historischer Verantwortung und gesellschaftlicher Dialogfähigkeit. Im Rahmen der Allianz werden unter anderem gemeinsame Exkursionen von Polizeibeamtinnen und -beamten sowie angehenden Lehrkräften zu historischen Erinnerungsorten wie Auschwitz und Łódź durchgeführt, um die Auseinandersetzung mit den Verbrechen der nationalsozialistischen Diktatur und deren Bedeutung für staatliches Handeln in der Gegenwart zu vertiefen.

Die dazugehörige Pressemeldung finden Sie hier: https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/154582/6125063.

„Demokratiepaten – Polizeischutz für die Demokratie“ ergänzt diese Arbeit gezielt, indem es demokratische Bildung und Werteorientierung dauerhaft im polizeilichen Alltag verankert und so die bestehenden Aktivitäten sinnvoll erweitert. Der Pilot bietet somit einen doppelten Mehrwert: Zum einen stärkt es die dialogorientierte und wertebasierte Polizeiarbeit gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern. Zum anderen fördert es die innere demokratische Resilienz der Organisation, indem Reflexionsfähigkeit, Fehlerkultur und professionelle Haltung gezielt unterstützt werden. Die Demokratiepatinnen und -paten leisten damit einen wichtigen Beitrag zu einer offenen, lernenden und zukunftsfähigen Polizeikultur.

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